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Dienstag, 21. Oktober 2008

Für einen Seidhgeier und eine bodenständige Ostelfe

wahlweise auch Hähne und Falken,
Drachen - und Rachengold,
oder Blaulichter, Rotlichter, Rolf Lichter u.a.,
all jene, die lustvoll lieben
all jene, durch die sich die Götter küssen
aber ganz eigentlich NUR für meinen Bruder und meine Schwägerin


Lass mich in deinem stillen Auge ruhen,
dein Auge ist der stillste Fleck auf Erden.
Es liegt sich gut in deinem dunkeln Blick,
dein Blick ist gütig wie der weiche Abend.

Vom dunkeln Horizont der Erde
ist nur ein Schritt hinüber in den Himmel,
in deinem Auge endet meine Erde.
Max Dauthendey

Wir träumten von einander
und sind davon erwacht;
wir leben, um zu lieben,
und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
aus deinem trat ich hervor,
wir sterben, wenn sich Eines
im Andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
zwei Tropfen, rein und rund,
zerfließen in Eins und rollen
hinab in des Kelches Grund.
Friedrich Hebbel

Das Wagnis Liebe


Sich zu verlieren –
ohne die Gewissheit gefunden zu werden,
sich total einzulassen –
mit dem Risiko der Enttäuschung,
sich zu verschenken –
ohne den anderen zu verpflichten.
Das ist die einzige Möglichkeit,
den anderen zu gewinnen
und nicht am anderen Ufer
allein stehen zu bleiben.
Rutger Barkot

Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
In ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache, und sieh: Sie bekommen zu sehn.
Lass sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.
Rainer Maria Rilke

Spürst du es nicht,
wenn ich um dich weine,
bist du wirklich so weit?
Und bist mir doch
das Schönste, das Eine,
um das ich sie trage,
die Einsamkeit.
Selma Meerbaum-Eisinger

Ich finde, wo ich, o Geliebter, hin mich wende,
am Anfang find ich Dich und finde Dich am Ende.
Dem Anfang geb ich nach, in Dir verliert er sich,
dem Abschluss späh ich nach, aus Dir gebiert er sich.
Du bist der Anfang, der sich aus sich selbst vollendet,
das Ende, das zurück sich in den Anfang wendet.
Und in der Mitte bist Du selber das, was ist:
Und ich bin ich, weil Du in mir die Mitte bist.
F. Rückert

Ihre Liebe wuchs von Monat zu Monat. Manchmal war sie wie ein Fluss, wie ein großer Strom, der durch ihre Seelen floss, tief und gewiss. Dann brauchten sie keine Beweise der Liebe. Dann glaubten und vertrauten sie. Sie wussten. Sie ruhten in diesem Strom, ließen sich von ihm tragen und ahnten das Meer, auf das er zufloss.

Aber es war nicht immer so. Es gab auch Tage der Unsicherheit und mangelnden Vertrauens. Dann brauchten sie Beweise und Ausdrücke der Liebe. Dann erinnerten sie sich selbst und einander an ihre Liebesfähigkeit und an ihre Entscheidung, zu lieben gegen alle Widerstände. Sie erlaubten sich die Schwäche des Zweifels. Sie verdrängten ihre Gefühle nicht, sondern gaben sie zu und besprachen sie. Sie entdeckten, dass ihre Schwächen sie zueinander führen konnten, wenn sie sie zugaben.

So wuchs aus Freude und Not ihre Sehnsucht nach diesem Strom weiter. Und ihre Fähigkeit, ihn zu erleben und sich von ihm tragen zu lassen, wuchs mit ihrer Sehnsucht.
Ulrich Schaffer

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